Wer eine alte Heizung ersetzen muss oder sich Angebote einholt, stößt schnell auf zwei Begriffe: Niedertemperaturkessel und Brennwertkessel. Beide gelten als sparsamer als ganz alte Geräte, doch was ist besser, Niedertemperatur- oder Brennwertkessel? In diesem Ratgeber vergleichen wir beide Techniken, zeigen die Unterschiede bei Effizienz und Kosten und erklären, was die Rechtslage in Österreich für Ihre Entscheidung in Wien und Niederösterreich bedeutet.

Was ist besser, Niedertemperatur- oder Brennwertkessel? Die kurze Antwort

In fast allen Fällen ist der Brennwertkessel die bessere Wahl. Er nutzt zusätzlich die Wärme im Wasserdampf der Abgase und arbeitet dadurch spürbar effizienter. Dazu kommt: Neue Niedertemperaturkessel dürfen seit 2015 in der EU nur noch in Ausnahmefällen in Verkehr gebracht und eingebaut werden. Die Frage, was besser ist, Niedertemperatur- oder Brennwertkessel, stellt sich beim Neukauf daher kaum noch. Sie ist aber wichtig, wenn Sie wissen wollen, ob sich der Tausch Ihres bestehenden Geräts lohnt.

Was ist ein Niedertemperaturkessel?

Ein Niedertemperaturkessel war in den 1980er bis 2000er Jahren der Fortschritt gegenüber den alten Konstanttemperaturkesseln. Ein Konstanttemperaturkessel hält das Kesselwasser ständig auf hoher Temperatur, oft auf 70 bis 90 Grad, egal wie warm es draußen ist und wie viel gerade geheizt wird. Der Niedertemperaturkessel passt die Kesselwassertemperatur dagegen an die Außentemperatur an. Diese gleitende Betriebsweise spart Energie, weil weniger Wärme über die Kesseloberfläche verloren geht. Für die Heizungstechnik der damaligen Zeit war das ein großer Schritt in Richtung Energieeffizienz.

Ein Niedertemperaturkessel ist aber so gebaut, dass im Inneren kein Kondenswasser entsteht. Die Abgase müssen deshalb heiß genug bleiben, damit der Wasserdampf nicht kondensiert. Würde er im Kessel oder im gemauerten Schornstein kondensieren, käme es zur Versottung: Feuchtigkeit und Säure dringen in das Mauerwerk ein und schädigen den Rauchfang. Laut der Übersicht zum Brennwertkessel auf Wikipedia verlassen die Abgase eines Niedertemperaturkessels das Gerät mit rund 120 bis 140 Grad. Die Wärme, die im Wasserdampf steckt, die sogenannte latente Wärme, geht dabei ungenutzt in den Rauchfang. Fachleute sprechen von Abgasverlusten, und diese Abgasverluste sind beim älteren Kessel deutlich höher. Gerade dieser Energieverlust ist der Grund, warum diese Technik heute als überholt gilt.

Diese Kessel gibt es für Erdgas und für Heizöl. In vielen Häusern in Niederösterreich steht noch ein solcher Heizkessel im Keller, oft als Teil einer älteren Ölheizung. Im österreichischen Anlagenbestand sind sie nach wie vor verbreitet.

Niedertemperatur bei Thermen

In Wiener Wohnungen hängen statt Kesseln meist Thermen. Auch hier gibt es die ältere Technik: die sogenannte Heizwerttherme, häufig als atmosphärisches Gerät mit Strömungssicherung, das an einen gemeinsamen Rauchfang angeschlossen ist. Technisch entspricht sie dem Prinzip des Niedertemperaturkessels.

Was ist ein Brennwertkessel?

Ein Brennwertkessel geht einen Schritt weiter. Er kühlt die Abgase bewusst so stark ab, dass der Wasserdampf kondensiert. Die dabei frei werdende Kondensationswärme, also die latente Wärme des Wasserdampfs, wird an das Heizungswasser übertragen. Diesen zusätzlichen Gewinn aus der Abgaswärme nennt man Brennwerteffekt. Bei der Verbrennung von Erdgas fällt er größer aus als bei Heizöl, weil Erdgas mehr Wasserstoff enthält und mehr Wasserdampf bildet. Die Abgase verlassen das Gerät oft nur mit 40 bis 60 Grad. In Wohnungen übernimmt eine wandhängende Brennwerttherme dieselbe Aufgabe.

Niedertemperatur- oder Brennwertkessel: Der direkte Vergleich

Effizienz

Der wichtigste Unterschied liegt im Wirkungsgrad und damit auch im Nutzungsgrad über das ganze Jahr. Wikipedia nennt als Beispiel für einen Niedertemperaturkessel rund 94 Prozent bezogen auf den Heizwert, für einen Brennwertkessel je nach Abgastemperatur 102 bis 105 Prozent. Werte über 100 Prozent sind möglich, weil die Angabe historisch auf den Heizwert bezogen wird und die Kondensationswärme zusätzlich gewonnen wird. Der Wechsel von einem Niedertemperatur- auf einen Brennwertkessel bringt eine Effizienzsteigerung von grob 8 bis 11 Prozent. Bei der Effizienz ist der Brennwertkessel also klar besser als ein Niedertemperaturkessel. Wer effizient heizen möchte, kommt an der Brennwerttechnik kaum vorbei.

Abgastemperatur und Abgasanlage

Die unterschiedlichen Abgastemperaturen haben direkte Folgen für die Abgasführung. Weil die Abgase eines Niedertemperaturkessels heiß und trocken sind, kommt er mit einem klassischen, gemauerten Rauchfang aus. Ein Brennwertkessel dagegen erzeugt kühles, feuchtes Abgas. Er braucht ein feuchteunempfindliches Abgasrohr aus Kunststoff oder Edelstahl. Bei einem Tausch muss dafür oft ein Rohr in den bestehenden Rauchfang eingezogen werden. In diesem Punkt schneidet der Niedertemperaturkessel besser ab, weil ein Brennwertkessel beim Einbau mehr Aufwand verursacht.

Kondensat

Ein Brennwertkessel produziert laufend leicht saures Kondenswasser, das über einen Siphon in den Abfluss geleitet werden muss. Das ältere Gerät braucht das nicht. Das ist einer der Gründe, warum der Tausch der Heizung gerade in Wiener Altbauwohnungen manchmal aufwendiger ist.

Anschaffung und Einbau

Beim reinen Gerätepreis liegen beide nicht weit auseinander. Der Mehraufwand beim Brennwertkessel entsteht vor allem durch Abgasleitung und Kondensatablauf. Über die Jahre gleicht der geringere Gasverbrauch diesen Mehraufwand in vielen Fällen aus. Ist der Rauchfang bereits geeignet, bleibt der Mehraufwand oft gering.

Anforderungen an die Heizung

Ein Brennwertkessel spielt seine Stärke nur aus, wenn die Rücklauftemperatur niedrig genug ist. Damit Wasserdampf kondensieren kann, muss der Rücklauf unter dem Taupunkt der Abgase liegen, bei Erdgas grob im Bereich von 55 bis 60 °C. Niedrige Rücklauftemperaturen erreichen vor allem Niedertemperaturheizungen mit großer Heizfläche. Ideal sind Flächenheizungen wie eine Fussbodenheizung, weil sie mit einer geringen Vorlauftemperatur auskommen. Fußbodenheizungen und groß dimensionierte Radiatoren sind deshalb der perfekte Partner für Brennwerttechnik. Aber auch bei normalen Heizkörpern schneidet ein Brennwertkessel besser ab als ein Niedertemperaturkessel, solange die Anlage gut eingestellt ist. Ein hydraulischer Abgleich sorgt dafür, dass jeder Heizkörper genau die Wassermenge bekommt, die er braucht, und hält den Rücklauf kühl.

Gas oder Öl: Der Öl-Brennwertkessel

Auch für Heizöl gibt es Brennwertgeräte. Ein Öl-Brennwertkessel arbeitet nach demselben Prinzip, der Brennwerteffekt fällt aber kleiner aus, weil Heizöl weniger Wasserdampf bildet und der Taupunkt mit rund 48 Grad niedriger liegt. Das Kondensat ist beim Öl-Brennwertkessel deutlich saurer und muss in der Regel neutralisiert werden. Wer heute noch Heizöl verfeuern möchte, sollte bedenken: Neue Ölkessel sind im Neubau verboten und werden nicht gefördert. Im Vergleich zum Gas-Brennwert-Gerät ist ein Öl-Brennwertkessel daher meist nur noch eine Lösung für Gebäude, in denen keine Alternative möglich ist. Auch beim Öl ist der Brennwertkessel besser als ein Niedertemperaturkessel, der Vorsprung ist nur kleiner.

Hersteller und Leistung

Bodenstehende Brennwertkessel für Gas und Öl bieten unter anderem Viessmann, Buderus, Wolf und Brötje an. Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus reichen oft Geräte mit einer Leistung von rund 15 bis 25 kW, also 15 bis 25 Kilowatt. Ob Viessmann oder ein anderer Hersteller: Bei jedem Wärmeerzeuger entscheidend sind die passende Leistung und ein Kundendienst, der in Wien und Niederösterreich rasch verfügbar ist. Ein erfahrener Heizungsplaner oder Installateur ermittelt die richtige Größe für Ihr Gebäude.

Was sagt das Gesetz? Die Ökodesign-Regeln seit 2015

Für die Frage, was besser ist, Niedertemperatur- oder Brennwertkessel, gibt es seit dem 26. September 2015 auch eine rechtliche Antwort. Seit diesem Tag gelten in der EU die Ökodesign-Anforderungen für Heizgeräte. Laut den Installateuren der Wirtschaftskammer müssen neue Gas- und Ölkessel seither eine jahreszeitbedingte Raumheizungseffizienz von mindestens 86 Prozent erreichen. Das schaffen in der Praxis nur Brennwertgeräte.

Die Ausnahme für Wiener Thermen

Für Wien gibt es eine wichtige Ausnahme. Atmosphärische Heizwertthermen dürfen weiterhin eingebaut werden, wenn sie an eine Abgasanlage angeschlossen sind, die von mehreren Wohnungen gemeinsam genutzt wird, und ein Brennwertgerät dort technisch nicht möglich ist. Sie müssen dann eine Effizienz von mindestens 75 Prozent erreichen. Die Ausnahme gilt für Thermen bis 10 kW und Kombithermen bis 30 kW. Für Vermieter bringt ein Brennwertgerät dagegen oft Mehrkosten für Abgasleitung und Kondensatablauf mit sich, eine der zentralen Auswirkungen der Ökodesignrichtlinie auf Gasthermen in Wiener Altbauten.

Das bedeutet: Hängt Ihre Therme an einem gemeinsamen Rauchfang mit den Nachbarn, kann im Einzelfall auch heute noch ein Heizwertgerät die einzige praktikable Lösung sein. Ob ein Brennwertgerät möglich ist, klärt der Installateur gemeinsam mit dem Rauchfangkehrer.

Erneuerbare-Wärme-Gesetz

Unabhängig von der Technik verbietet das Erneuerbare-Wärme-Gesetz seit 2024 fossile Heizungen im Neubau. Im Bestand dürfen Sie Ihre Gastherme austauschen, eine Pflicht zum Tausch alter Niedertemperaturgeräte gibt es in Österreich nicht.

Was in Deutschland gilt

Viele Ratgeber im Internet stammen aus Deutschland. Dort sah schon die frühere Energieeinsparverordnung (EnEV) eine Austauschpflicht für bestimmte alte Konstanttemperaturkessel vor, Niedertemperatur- und Brennwertkessel waren davon ausgenommen. Die EnEV wurde 2020 durch das Gebäudeenergiegesetz ersetzt. Auch die Förderung über die KfW betrifft nur Deutschland. Für Haushalte in Wien und Niederösterreich gelten die österreichischen Regeln.

Lohnt sich der Tausch eines Niedertemperaturkessels?

Auch wenn der Brennwertkessel technisch besser ist, muss ein funktionierender Niedertemperaturkessel nicht sofort raus. Ob sich der Tausch lohnt, hängt von mehreren Punkten ab:

  • Alter: Viele Niedertemperaturgeräte sind heute 20 Jahre und älter. Die übliche Lebensdauer einer Gastherme liegt bei etwa 15 bis 20 Jahren.
  • Reparaturen: Häufen sich Störungen oder sind Ersatzteile knapp, ist ein Tausch meist wirtschaftlicher.
  • Verbrauch: Je höher Ihr Gasverbrauch, desto mehr bringen 8 bis 11 Prozent Ersparnis in absoluten Zahlen.
  • Abgasanlage: Muss der Rauchfang ohnehin saniert werden, fällt der Mehraufwand für Brennwerttechnik weniger ins Gewicht.
  • Alternativen: Steht eine größere Sanierung an, lohnt es sich, auch andere Heizungsarten und Heizsysteme wie Fernwärme, eine Wärmepumpe oder eine Pelletheizung zu prüfen.

Auch sehr alte Geräte laufen manchmal erstaunlich lange. Doch selbst wenn eine Gastherme 40 Jahre halten kann, steigen mit dem Alter Gasverbrauch und Ausfallrisiko.

Brennwert oder gleich erneuerbar?

Wer seine Heizung modernisiert und den alten Kessel ersetzt, steht vor einer grundsätzlichen Wahl. Ob ein Niedertemperatur- oder Brennwertkessel besser ist, ist dann nur noch eine Teilfrage. Eine neue Gasheizung mit Brennwerttechnik ist die einfachste Lösung, vor allem in Wohnungen. In Häusern mit guter Dämmung und Platz kann aber auch eine Wärmepumpe sinnvoll sein. Wärmepumpen arbeiten wie Brennwertheizungen am effizientesten mit niedriger Vorlauftemperatur. Ein Brennwertkessel lässt sich außerdem gut mit Solarthermie und einem Warmwasserspeicher kombinieren. So sinkt der Anteil an fossilem Brennstoff, und erneuerbare Energien übernehmen einen Teil der Wärmeerzeugung. Gefördert wird in Österreich allerdings nur der Umstieg auf ein Heizsystem auf Basis erneuerbarer Energien, nicht der Einbau eines neuen Gas- oder Ölkessels.

Mietwohnung: Wer entscheidet?

In Wiener Mietwohnungen ist bei einer mitvermieteten Therme in der Regel der Vermieter für den Tausch zuständig. Wer die Thermenwartung zahlt, ist ebenfalls geregelt: Das ist üblicherweise der Mieter. Welche Kosten bei einem Defekt wer trägt, hängt vom Mietvertrag und vom Anwendungsbereich des Mietrechtsgesetzes ab.

Wartung: Für beide Kesselarten unverzichtbar

Ganz gleich, ob Sie einen Niedertemperatur- oder Brennwertkessel betreiben: Ohne regelmäßige Pflege sinkt die Effizienz der gesamten Heizungsanlage. Bei der Thermenwartung werden Brenner und Wärmetauscher gereinigt, die Abgaswerte gemessen und die Sicherheitseinrichtungen geprüft. Bei Brennwertgeräten kommen Siphon und Kondensatablauf dazu, bei atmosphärischen Heizwertthermen die Kontrolle der Strömungssicherung. Mit welchen Kosten für die Thermenwartung in Wien Sie rechnen können, hängt von Gerät und Zustand ab.

Steht der Wechsel an, übernehmen wir beim Thermentausch in Wien und Niederösterreich die Prüfung von Rauchfang und Kondensatablauf, die Auswahl des passenden Geräts und den Einbau.

Niedertemperatur- oder Brennwertkessel im Überblick

Merkmal Brennwertkessel im Vergleich zum Niedertemperaturkessel
Prinzip Nutzt zusätzlich die Kondensationswärme, der Niedertemperaturkessel verhindert Kondensation
Abgastemperatur Oft 40 bis 60 Grad statt rund 120 bis 140 Grad
Wirkungsgrad (Heizwert) Etwa 102 bis 105 Prozent statt rund 94 Prozent
Ersparnis beim Wechsel Grob 8 bis 11 Prozent
Abgasanlage Feuchteunempfindliches Rohr nötig
Kondensat Muss abgeleitet werden
Neukauf seit 2015 Standard, Heizwertgeräte nur noch in Ausnahmefällen
Ausnahme Wien Heizwertthermen bei gemeinsamer Abgasanlage, wenn Brennwert technisch nicht möglich ist

Fazit: Was ist besser, Niedertemperatur- oder Brennwertkessel?

Der Brennwertkessel ist die bessere Wahl. Er nutzt die Kondensationswärme, arbeitet um grob 8 bis 11 Prozent effizienter und ist seit 2015 bei neuen Gas- und Ölkesseln praktisch Pflicht. Der Niedertemperaturkessel hat nur noch dort seine Berechtigung, wo ein Brennwertgerät technisch nicht möglich ist, etwa bei bestimmten Thermen an gemeinsamen Rauchfängen in Wiener Altbauten. Wer heute noch ein Niedertemperaturgerät betreibt, muss es nicht sofort tauschen, sollte den Wechsel aber rechtzeitig planen, statt auf einen Ausfall der Heizung im Winter zu warten.

Sie möchten wissen, ob in Ihrer Wohnung ein Brennwertgerät möglich ist? Thermenwartung Graf ist Ihr Fachbetrieb für Thermenwartung in Wien und Niederösterreich. Sie können einfach einen Termin online buchen oder unseren Thermen Kundendienst kontaktieren.